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Delirium

Teil 4: Software und Fazit

Software
Puh… Schlichte Bedienoberfläche, okay, das ist ja erstmal nichts Negatives an sich, gerade weil eine überladene Software schnell unübersichtlich wird, aber mit der Software zur Tastatur hat sich Lioncast nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da steht die Berliner Hardwareschmiede allerdings auch nicht alleine da: Warum hat es bisher kaum einer der Mäuse/Tastatur-Hersteller geschafft, zumindest von denen ich bisher Hardware hatte, eine vernünftige Software zu ihren Produkten hin zu kriegen? Die machen alle einen unfertigen Eindruck, sind verbuggt, und/oder geizen mit Funktionen. Bei der Lioncast Software trifft leider auch vieles davon zu.
Die Software ist zunächst für die LK300 bestimmt. Geschenkt, weil sich die Funktionen nicht unterscheiden und lediglich das Bild der Tastatur nicht übereinstimmt.
Ich zähle jetzt nicht alles auf, aber einige, für mich wichtige Funktionen fehlen mir:
Eine automatische Profilumschaltung. Ich hatte bisher für die meisten Spiele/Programme eigene Profile erstellt mit eigenen Makros etc., z.B. Für Visual Basic, Photoshop, Overwatch, BF1 usw. Da habe ich die wichtigsten und häufigsten Funktionen, die ich nutze auf Makrotasten gelegt und wenn ich das Programm/Spiel starte, hat die Software automatisch das Profil des Keyboards um geschalten und die Tasten waren belegt wie gewollt. Hat alles bis auf ein paar Bugs, von denen wohl niemand verschont bleibt, geklappt. So und hier kommt der Haken bei dieser Software. Auf eine automatische Umschaltung könnte ich verzichten, aber es gibt leider keine Möglichkeit, die Profile überhaupt außerhalb der Software umzuschalten! Ich muss erst die Software starten und das Profil per Hand umstellen! Btw es gibt nur 3 Profile… Ich weiß, eine automatische Umschaltung ist etwas aufwändiger zu implementieren, aber einen Shortcut auf die Tastatur zu legen, um die Profile manuell auswählen zu können ist kein Hexenwerk, gerade weil es ja mit der Beleuchtung (FN + 1 bis 5) geht. Die Spezielle Gaming Beleuchtung ist leider auch nur die Beleuchtung und man kann die Funktionen der Tasten für die einzelnen Profile nicht ändern.
Als nächstes gibt es keine Möglichkeit, weitere Programmverknüpfungen auf die G-Tasten zu legen. Es gibt voreingestellt zwar den Browser, Taschenrechner und sowas, aber ich kann nicht hergehen und mir beliebige Verknüpfungen die Tasten legen.
Dann die Auswahl der Media Tasten Zuweisung, siehe Bild, 12 voreingestellte, NICHT erweiterbare, Funktionen sind mir somit etwas zu wenig.
Weiter geht’s mit einer leeren Fehlermeldung, halb deutscher, halb englischer Textausgabe, verbuggte Programmierung der Speziellen Gamingtasten, aufgenommene Makros, speziell längere Zeichenfolgen werden zu langsam abgespielt (ja, ich habe die Verzögerung deaktiviert) Die Liste geht so weiter…
Die Einstellungen zur Beleuchtung sind leider auch eher rudimentär gehalten und dabei dachte ich, dass die LK300 Pro hier richtig glänzen kann. 4 Helligkeitsstufen, 4 Stufen für die Effektgeschwindigkeit. Mehr kann ich an den Effekten im Grunde nicht ändern. Außer natürlich die gewünschte Farbe. Als Beispiel: Der "Reaction" Effekt (LED sind aus und wenn man eine Taste drückt, dann leuchtet sie auf und dunkelt wieder ab) ist echt witzig und sieht cool aus, wenn man beim Schreiben eine Spur hinterlässt, aber die Einstellmöglichkeiten kommen hier zu kurz: wie gesagt, 4 einstellbare Geschwindigkeiten, die sich für meinen Geschmack zu wenig unterscheiden. Da hätte ich mir gewünscht, dass die Tasten doch etwas länger nachleuchten. Außerdem wäre es auch schön, wenn ich die Tasten in diesem Modus im Grundzustand etwas dunkler leuchten lassen könnte (25% ca), beim Antippen sie dann auf 100% Helligkeit springt und langsam wieder auf 25% abdunkelt.
Das war nur ein Beispiel, es gibt einige Dinge die Lioncast noch verbessern kann. Feinere Geschwindigkeitseinstellung, Effekte anpassbar machen und und und. Da ist VIEL Luft nach oben.

Kurz gesagt, die Software ist für mich eine riesen Enttäuschung. Und es tut mir fast schon weh das zu sagen, weil die Tastatur optisch und haptisch echt super ist, aber die Software gefällt mir nicht. Das macht die komplette Tastatur nicht unbrauchbar, aber unkomfortabler im Handling, abseits des normalen Schreibens.

Fazit
Pros:
Schreibgefühl
Handballenauflage
Optik, darunter zählen auch die tollen LEDs
Verarbeitung

Cons:
Software
Makro/Media-Tasten
Kein USB/Headset-Passthrough

Im Anbetracht der erwarteten Funktionen und das, was letztendlich geboten wird, ist die Tastatur etwas teuer.
Dabei liegt es zum Großteil an der schlechten Software, die den sonst überwiegend positiven Eindruck trübt. Wenn Lioncast es schafft, die Software auf Vordermann zu bringen, deutlich mit den Funktionen aufstockt und die Benutzeroberfläche sinnvoll und übersichtlich (nicht im Sinne von wenig Funktionen, sondern im Sinne von gut sortiert und intuitiv bedienbar) grundsaniert, dann wäre die Lioncast LK300 Pro eine grundsolide und schöne Tastatur, bei der auch die Software der Bezeichnung "Pro" gerecht werden kann. Auf dem jetzigen Stand bleibt leider ein fader Nachgeschmack im Abgang, der auch nicht mit 16 Millionen Farben überstrahlt werden kann.
Dennoch, die Verarbeitung, die Optik und Haptik an sich sind grandios und die Lioncast LK300 Pro reiht sich weit oben im Ranking ein und wenn Lioncast so weiter macht, dann darf sich die Konkurrenz langsam richtig warm anziehen!

Zum Abschluss möchte ich mich nochmal ganz herzlich beim mytest-Team für die Gelegenheit danken, eine so tolle Tastatur testen zu dürfen! Es hat mir und hoffentlich allen Teilnehmern ein riesen Vergnügen bereitet! Ich freue mich schon jetzt, in Zukunft hoffentlich wieder für den ein oder anderen Test ausgewählt zu werden.