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Litharien

Gutes Mittelklasse-Headset mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis

Ich verwende das Lioncast LX60 seit ca. 2 Wochen und fühle mich nun ausreichend gewappnet, um einen Bericht über das Headset abzugeben. Ich habe das Headset in einigen Bereichen getestet (Musik, Aufnahme, Gaming, Sprach-Chat, Handy) und lasse euch jetzt wissen, wie es sich geschlagen hat.

1. Ankunft und Auspacken - Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck
2. Inbetriebnahme - Plug and Play?
3. Musik hören - Mitten im Konzertsaal?
4. Sprach-Chat - Discord, Teamspeak, Skype und mehr
5. Stimmaufnahmen - Werde ich jetzt Synchronsprecher?
6. Gaming - Bin ich nur dabei, oder mittendrin?
7. Nutzung am Handy - Reif für die U-Bahn?
8. Fazit


1. Ankunft und Auspacken - Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck

Das Headset kommt in einer schlichten weißen Kartonverpackung. Ich bin echt dankbar dafür, dass auf diverse Innenkartons, Polsterungen usw. verzichtet wurde. Jedes Mal diese Müllberge! Das macht Lioncast schon ganz gut. Amazon selbst bastelt noch einen Karton drumherum, der in jämmerlichem Zustand bei mir ankam, eingerissen und eingedrückt. Der Lioncast-Karton hat es aber gut überstanden. Im Inneren des Kartons ist eine Art Stütze aus Pappe, so dass auch ohne Extra-Füllmaterial nichts verrutscht. Gut gelöst! Entsprechend schnell geht das Auspacken vor sich. Das Headset selbst fühlt sich auf den ersten Blick gut und wertig an. Es hat ein gewisses Gewicht, und das schlichte Schwarz mit roten Akzenten ist typisch Gaming, sieht aber ganz schick aus. Die LEDs an der Außenseite mögen ein nettes Gimmick sein - sieht man beim Tragen ja aber nicht, was die Idee irgendwie obsolet macht. Trotzdem nett anzusehen, wenn man das Headset mal in der Hand hat.

Das Mikrofon ist separat verpackt und lässt sich mit simpler 3,5mm Klinke in die linke Ohrmuschel stecken - und auch einfach wieder abziehen. Leider, leider, lässt es sich am Headset selbst dann aber nicht mehr bewegen. Also klar, es lässt sich verbiegen und somit auf den eigenen Kopf anpassen, aber man kann es nicht hochklappen und somit aus dem Weg schaffen. Stattdessen muss ich entweder damit leben, dass das Mikro immer in meinem Gesichtsfeld schwebt, auch wenn ich es nicht benötige, oder ich muss es komplett abstecken und vom Headset entfernen. Hm. Das (vor allem) Gamer-Leben bietet viele Situationen in der Grauzone dazwischen, so dass ich sagen muss: Diese Lösung stellt mich nicht zufrieden. Es hat Vorteile, falls man das Headset auch als klassischen Kopfhörer verwenden möchte - dazu gleich mehr -, so hat man in der S-Bahn nicht immer ein unnützes Mikro dabei. Aber am Rechner selbst finde ich das semi-gut gelöst.

Am kleinen Regler für Lautstärke und das Stummstellen des Mikros lässt sich dann wahlweise ein Kabel von Mini-USB auf USB anstecken, oder kleine Klinke auf kleine Klinke. Praktisch, so kann das Headset auch direkt ins Handy, wenn es sein soll.

Die Ohrmuscheln sind recht groß und decken das ganze Ohr gut ab. Das darf man jetzt trotzdem nicht mit einem geschlossenen Kopfhörersystem verwechseln, wie es in Aufnahme-Studios üblich ist. Es schottet Umgebungsgeräusche aber recht gut ab - sofern man das überhaupt will. Bei mir ist das gar nicht unbedingt erwünscht. Dafür kann aber das Headset nichts. Dadurch, dass das Headset so groß und schwer ist, ist es auch nicht ganz einfach, nur ein Ohr zu bedecken - ist ja oft üblich, vor allem, wenn man zockt, aber nicht alleine lebt und buchstäblich noch ein offenes Ohr dafür haben will, was um einen herum vorgeht. Minuspunkt auf meiner Agenda.

Das Kabel ist stoffumwickelt. Nimmt der Wertigkeit etwas ab, und diese Kabel neigen auch dazu, sich brutal zu verdrehen. Zeichnet sich nach den ersten 2 Wochen bei mir und den ersten Kollisionen mit den Rädern des Bürostuhls auch schon ab, scheint mir aber für Headsets dieser Preisklasse typisch zu sein.

Der kleine Adapter ein Stück unter dem linken Ohrteil, der auch als Anschluss für die Kabel zu PC/Konsole/Handy dient und Lautstärke sowie Mikro an/aus regelt, hängt auf Herzhöhe auf der Brust. Da er recht leicht ist, ist das kein großes Manko - so richtig ideal finde ich es aber auch nicht, und für die Damenwelt kann das eventuell sogar störend sein - da ist dann vorprogrammiert, dass das Kabel bzw. der Adapter immer *hust* "dazwischen" hängen wird. Wenn frau sich daran nicht stört, ist es natürlich kein Problem. Ich finde es wie gesagt semi-gut und finde besser, wenn zwischen Kopfhörer und Adapterteil 1-2 Meter Platz sind. Was ich außerdem vermisse, ist eine kleine LED, die einem zeigt, ob das Mikrofon gerade aktiv ist oder nicht. Im Dunkeln muss man sich halt jetzt merken, welche Schalterstellung für was ist. Der Schalter zum Ein- und Ausschalten des Mikros ist außerdem recht schwergängig. Allgemein ist der Adapter billig verarbeitet - das Teil macht mich daher leider nicht happy.

Der Kopfbügel selbst ist eine Uni-Größe und lässt sich nicht anpassen. Er hat aber einen gepolsterten Innenbügel, der an einem semi-straffen Hartgummiband befestigt ist. Ich hab 'ne ziemlich große Rübe, und bei mir liegt das Headset immer noch gut auf dem Kopf. Drückt nicht, wackelt aber auch nicht. Da kann man nicht meckern. Die Ohrmuscheln selbst sind aus Kunstleder - da schwitzt man nach einigen Stunden drunter, auf jeden Fall mit einem großen Kopf, bei dem die Ohrmuscheln enger aufliegen als bei Nutzern oder Nutzerinnen mit kleinem Kopfumfang. Es ist aber erträglich, auch nach einigen Stunden. Allerdings stellt sich bei mir nach ein paar Stunden immer so ein "Druck-Effekt" ein. Wie gesagt, ich habe einen großen Kopfumfang, ich reize die Uni-Größe also vermutlich aus, und nach einigen Stunden fühlt sich das einfach nicht mehr so fluffig und nice-to-wear an wie mein bisheriges Headset.

Woran man hier lange schreibt und lange liest, war in der Realität einfacher. Schnell ausgepackt, alles einmal angesehen, aufgesetzt. Kommen wir also zum nächsten Part.

2. Inbetriebnahme - Plug and Play?

Unter Windows 10 wurde das Headset, bei mir per USB verbunden, problemlos erkannt und eingerichtet. Auch Peripherien wie Discord, Audacity usw. erkannten das Headset sofort. Also ja, Plug and Play. Ich fand noch einige Nachbearbeitungen im Sound notwendig, weil das Headset - typisch - für Gaming-Headsets, sehr basslastig ist. Explosionen usw. sollen ja ordentlich knallen. *seufz* Da musste ich ein bisschen anpassen, und auch die Höhen sind von Werk aus reichlich harsch. Für ein Headset dieser Preisklasse ist das Headset aber absolut okay im Klang.

3. Musik hören - Mitten im Konzertsaal?

Spotify war mein erster Test mit dem LX60 von Lioncast. Ich streame übrigens im verlustfreien Modus. Die Bässe der Kopfhörer ballern echt krass und ehrlich gesagt total übertrieben - da wollte wohl jemand in Richtung der (extrem überschätzten) Beats gehen. Die Mitten klingen aber warm und voll, und die Höhen sind okay. Nach den Anpassungen, die ich zuvor im Equalizer vorgenommen hatte, war ich recht zufrieden mit der Musikwiedergabe. Nicht glücklich - aber zufrieden. Ich musste mich aber selbst mehrfach ermahnen, dass ich ein Headset der unteren Mittelklasse teste und mit meinen Ansprüchen realistisch bleiben sollte. Das Ding ist einfach kein Hi-Fi-Kopfhörer, und das merkt man auch. Um aber mal nebenbei ein bisschen Musik zu hören, passt es auf jeden Fall. Kein Deluxe Sounderlebnis, bei dem man denkt, mitten in der Philharmonie zu sitzen, aber insgesamt absolut in Ordnung.

4. Sprach-Chat - Discord, Teamspeak, Skype und mehr

Sowohl als Gamer, als auch als YouTuber verwende ich diverse Sprach-Chat-Tools zur Kommunikation. Mit den Buddies Discord - hier schlägt sich das Headset okay. Im Teamspeak klang es schlechter, über Skype klang es gut. Das mag nun weniger am Headset als an den verwendeten Audio-Codecs der Chat-Anbieter liegen. Dennoch war ich insgesamt nicht überzeugt. Man kommt zwar klar beim Gegenüber an, aber auch etwas blechern. Wer keine sehr tiefe, bassige Stimme hat, leidet etwas am fehlenden Nahbesprechungseffekt. Das Mikro ist aber wirklich auch einfach verarbeitet, bietet keinen Poppschutz und ist daher eine der Schwachstellen des Headsets - wie so oft. Hier muss ich daher sagen, dass ich auch bei einem Preis von 60 Euro mehr erwartet hätte.

5. Stimmaufnahmen - Werde ich jetzt Synchronsprecher?

Okay. Ein Headset ist nicht wirklich für Sprachaufnahmen geeignet. Habe ich früher auch mal gemacht, und bin auf diverse, hochwertige Mikros umgestiegen. Ich führe einen YouTube Kanal mit fünfstelliger Abo-Zahl und verbessere mich immer weiter. Angefangen habe ich aber mit dem Headset-Mikro, und viele - vor allem Gamer - machen das bis heute. Das Headset muss sich also schon die Frage gefallen lassen, ob zumindest simple Aufnahmen in Verbindung mit z.B. Audacity möglich sind. Und leider muss ich sagen, dass ich fast schon entsetzt war. Das Mikro nimmt extrem viel Raumklang mit (also wohl Kugelcharakteristik), klingt brutal blechern, nimmt überhaupt keine Bässe mit und nimmt vor allem extrem leise auf, selbst wenn man den Pegeleingang auf volle Lotte stellt und das Mikro schon fast im Mund hat. Ich wiederhole meinen Eingangssatz: Ein Headset ist kein adäquates Tool für professionelle Sprachaufnahmen. Ich will dem Lioncast LX60 daher nicht Unrecht tun, wenn ich es in einer Umgebung bewerte, für die es nicht geschaffen wurde. Ich muss aber schon erwähnen, dass ich vor langer Zeit mal ein 30 Euro Logitech Headset hatte, und dessen Audioqualität bei Sprachaufnahmen fährt mit dem Lioncast Schlitten. Schade. Da wäre absolut und definitiv mehr möglich gewesen!

6. Gaming - Bin ich nur dabei, oder mittendrin?

Endlich eine Rubrik, in der das Lioncast besser wegkommt. Ich spiele gerne entweder ruhige Strategiespiele (Cities Skylines, Total War:Attila/Warhammer, Oxygen not Included usw.), da kann man nix groß sagen. Alles im Lot. Mit Kumpels zocke ich aber auch eine Menge Shooter, vor allem Fortnite. Und hier kann das Lioncast jetzt endlich mal glänzen. Der Raumklang ist dank simuliertem Dolby-Surround echt stark, ich höre mega gut, von wo Gegner kommen oder wo Schüsse herkamen, und mir entkommt jetzt kein Camper mehr in der Etage über mir. Die Waffensounds klingen gut, die Explosionen fett. Nicht besser als mein bisheriges Headset (dazu mehr im Fazit), aber trotzdem richtig gut, und auf jeden Fall besser, als ich a) in dieser Preisklasse erwartet hätte und b) nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Headset erwartet hätte. Ich habe auch ein oder zwei Racer gespielt (Forza Horizon / Need for Speed: Payback), auch hier kamen Motorengeräusche realistisch rüber. In der Rubrik - und die dürfte für die meisten Leser wohl die wichtigste Rubrik sein - blieben bei mir wenig Wünsche offen, und wer auf sein Budget achten mag und das Lioncast - unbestreitbar - optisch nice findet, kann schon zugreifen.

7. Nutzung am Handy - Reif für die U-Bahn?

Ich bin ja gar nicht sooooo der Handynutzer. Ich weiß, krass, in den heutigen Zeiten, oder? Ich höre zwar mega viel Musik, aber meistens im Auto. Dann schon vom Handy, aber ja - startet alles automatisch, ich mach da nicht viel, das ist keine "Nutzung" des Handys. Games zocke ich lieber am Rechner, und abends im Bett mal was zocken läuft auf dem Pad, weil mehr Bild und so ^^ Aber, wenn (!) ich mal in die U- oder S-Bahn muss, geht das natürlich nicht ohne Sound. Ich habe mir das LX60 also einfach mal geschnappt, als ich zu einer Comic-Shoppingtour in die Münchener Innenstadt fuhr, während das Auto wegen defekter Klima in der Werkstatt war. Durch die leichte Abschottung der Außengeräusche bekommt man noch so ein bisschen, aber nicht mehr viel vom Lärm um einen herum mit. Also Mucke auf und wohlfühlen. Äh, oder? Ich hör ja fast nur Metal, hartes Zeug - Djent, Deathcore usw. Tja, leider zeigte sich, dass das Headset eben wirklich nur ein Headset und kein Hi-Fi-Kopfhörer ist. Das LX60 isoliert nämlich nicht gut, und so beschallt man bei metalmäßiger Lautstärke die Sitznachbarn mit. Das brachte mir unwillige Blicke ein, die mich veranlassten, die Lautstärke deutlich herunterzuschrauben - wodurch ich nun wieder so viel von der Umgebung mitbekam, dass das Musikhören keinen Spaß mehr machte. Soll also heißen: Für daheim mal am Handy zocken oder schnell ein Video schauen taugt das LX60. Für mobiles Musikhören eher nicht so.

8. Fazit

Für rund 60 Euro, je nach Anbieter, bekommt man mit dem Lioncast LX60 größtenteils, was man in dieser Preisklasse erwarten darf. Solide Verarbeitung trifft auf ein schickes, aber nicht an allen Stellen durchdachtes Design. Statt LEDs an den Außenseiten der Kopfhörer, die ich bei Benutzung nicht sehe, hätte ich mir ein LED auf dem Adapter gewünscht, um zu sehen, ob mein Mikro an oder aus ist, und ich würde das Mikro gerne hochklappen können, um es nicht immer an- oder abstecken zu müssen. Die Verarbeitung des Kabels ist so lala, obwohl die Länge angenehm ist. Für Musikgenuss oder Sprachaufnahmen ist das Headset nicht geeignet, für Gaming und mobile Nutzung ist es aber absolut okay. Mein durchaus schon etwas in die Jahre gekommenes Beyerdynamic MMX2 kann es aber auf keinen Fall ersetzen. Okay, man muss fair bleiben - mein Beyerdynamic hat mal 200 Euro gekostet. Es ist aber viel leichter, viel kleiner, die Mikrofonqualität ist großartig, und auch ohne Surround habe ich keine Ortungsprobleme in Spielen. Außerdem ist die Passform einfach genial, und die stoffbezogenen Ohrmuscheln liegen angenehm und leicht auf. Auch in Sachen Audio- und Sprachwiedergabe und -aufnahme hat das MMX2 trotz guten 5 Jahren der Nutzung die Nase heftig vorn.

Das LX60 kommt aber aus einer niedrigeren Qualitätsliga und schlägt sich dafür gut. Wie wenn der FC Bayern im DFB Pokal gegen einen lokalen Regionalligisten spielt: Es gibt Punkte für die Bemühtheit, und auch Punkte dafür, dass in seinem ureigenen Segment alles richtigmacht. Bei den Großen mitmischen ist aber nicht drin. Und so freue ich mich, dass ich das Lioncast LX60 testen durfte, hat auch Spaß gemacht, und ich sehe absolut, dass es eine Zielgruppe für dieses kleine Stück Technik gibt. Wer nicht mehr ausgeben kann oder mag als 60 Euro, hat immerhin das Flaggschiff von Lioncast in der Hand, und investiert ja jetzt nicht falsch. Gerade die Musikwiedergabe mag bei weniger pingeligen Nutzern erfreuen, und für Gaming ist das Teil absolut in Ordnung.

In meinem persönlichen Fall verschenke ich das Headset allerdings weiter und weiß, dass ich damit jemandem eine Freude mache. Ich selbst behalte mein Beyerdynamic MMX2 noch für eine Weile.