Zurück zur Übersicht

sophias

American Rosamunde Pilcher

Renée Carlino schreibt gerne über die Liebe.
In ihrem aktuell in Deutschland erschienenen Buch Nur einen Herzschlag entfernt beschreibt sie den Flashback einer angehenden Autorin, als sie die Geschichte ihrer eigenen zerrütteten Kindheit mit ihr als Protagonistin in einem Bestsellerwerk eines jungen Autors entdeckt. Aus der Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit und ihrer ersten großen Liebe entsteht ein gradliniger Handlungsstrang, in dem sie sich auf die Suche nach dem Autor und den Geistern ihrer Jugend macht.
Der Übersetzung nach zu urteilen schreibt die Autorin in einfachem amerikanischen Englisch, was sicherlich der Zielgruppe des Romans geschuldet ist, was sich mit der einfachen Struktur der Story deckt und einige Vorurteile gegen amerikanisch Autoren bedient. So zum Beispiel die inflationäre Verwendung von Plattitüden und mitunter recht oberflächlicher Personenprofile.
Dabei schafft es Renée Carlino zu ihrer Verteidigung trotzdem, Emotionen zu triggern, allerdings eher auf dem Niveau einer RTL2-Reportage. Allgemein scheint sie sehr darauf erpicht zu sein, jedes bekannte Klischee über USA-Amerikaner zu erfüllen.
Mein persönliches Fremdschäm-Highlight, bei dem ich mir nach wie vor erhoffe, das es sich um einen falsch platzierten Auswurf von Ironie handelt:
" Ich blickte auf Meer hinaus. "Schöne Aussicht, nicht wahr?"
Seine Augen ruhten unverwandt auf mir. "Ja, allerdings." "
Auch habe ich noch nie jemanden sagen hören: "Ich gehe jetzt zum Tennis und bin in EINER STUNDE wieder da."

So leid es mir für die junge Autorin tut, ich kann und möchte dieses Buch daher nicht weiterempfehlen.


Interessanterweise habe ich in der letzten Zeit zwei Bücher gelesen, die sich eines vergleichbaren Themas bedienen, welche ich allerdings mit gutem Gewissen weiterempfehlen möchte:
1. Offene See von Benjamin Myers - kommt gänzlich ohne Schmonz aus
2. Ein halbes Herz von Sofia Lundberg