Zurück zur Übersicht

Annka35

Vergangenheit in Zukunft

Vergangenheit macht uns zu dem was wir sind. Mehr unfreiwillig als freiwillig. Unsere Erziehung und unsere Erlebnisse liegen zum Größtenteil nicht in unserer Hand. Es war nicht Sheridas Entscheindung, dass ihre Mutter getötet und sie somit bei ihrer kalten, über Leichen gehenden Tante aufgewachsen ist. Der Amoklauf ihres Bruders, die Vergewaltigung durch einen Polizisten, die Tötung zweier Männer in Notwehr. Diese Situationen konnten wenig bis gar nicht durch Sheridan kontrolliert werden und doch findet der Leser einen starken, disziplinierten und meist positiven Haupcharakter vor. Wenn ich halb das Leben von Sheridan gelebt hätte wäre ich wahrscheinlich depressiv und Tabletten abhängig. Doch Sheridan nimmt im letzten Buch die Dinge wie sie sind und arbeitet ihre Vergangenheit auf. Nur durch diese Aufarbeitung kann sie letztendlich frei und unbeschwert in die Zukunft schauen. Für einen Zyniker ist das alles viel zu einfach, aber mir gibt es Trost. Sheridan schafft es auf dem Boden zu bleiben trotz ihrer Erlebnisse. Dass das nicht sehr wahrscheinlich ist kann mir hier total egal sein. Es geht um Frieden mit sich selbst und die Fähigkeit wieder auf seine Innere Stimme zu hören, anstatt vor der Beurteilung durch andere weg zu rennen. Dass allein lässt mich allzu gerne vergessen, dass es eine Sheridan in Wirklichkeit wahrscheinlich nicht gibt. Denn ich wäre
gern ein wenig mehr wie sie.