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Pumine

Guter Schreibstil, aber sonst nicht so meins...

Aufgrund von Zeitmangel habe ich das Buch erst jetzt in meinem Urlaub lesen können, dafür aber dann an einem Tag :-) Das allein spricht schon für den fesselnden Schreibstil.

Aber von Anfang an: Die äußere Gestaltung des Buches hat mir sehr gut gefallen. Der Einband ist hochwertig, mit Blindprägung der Überschriften und Namen. Und der Klappentext hat mich durchaus neugierig gemacht. Ich bin mir sicher, die anderen Teile nicht gelesen zu haben (obwohl mir die Namen "Sheridan Grant" und vor allem "Willow Creek Farm" sehr bekannt vorkamen), daher war ich gespannt darauf, wie es ist, einen 3. Teil zu lesen, wenn man die anderen Teile nicht kennt. Tatsächlich war es etwas ernüchternd. Zwar werden die angesprochenen Personen, die auch schon in den anderen Teilen vorkamen, kurz eingeführt und die Verbindung zu Sheridan erläutert, aber (natürlich) nur kurz, so dass ich glaube, dass mir als Leser des 3. Teils in vielen Situationen die wahre Bedeutung mancher Erinnerungen oder Begegnungen nicht klargeworden ist.

Insgesamt hat mir der Schreibstil von Nele Neuhaus gut gefallen. Sie hat eine gute Art, Situationen und Umgebungen detailliert zu beschreiben – gerade so ausführlich, dass ich sie mir gut vorstellen konnte, aber nicht zu sehr, dass es langweilig wird. Gelangweilt habe ich mich während der ganzen 521 Seiten nie.

Aber das reicht leider für mich nicht aus, um ein Buch „ein gutes Buch“ zu nennen – es gibt sicher eine große Fangemeinde für Bücher dieser Art, aber meinem Anspruch an ein gutes Buch hat es nicht genügt. Denn an einigen Stellen fand ich die Geschichte einfach absurd, fast schon hanebüchen. Okay, ein Autor muss seine Fantasie spielen lassen, aber wenn ich eine Fantasiegeschichte lesen möchte, kaufe ich mir ein Buch aus dem Phantasy-Genre... All das, was Sheridan passiert ist (teilweise auch nur als Wiederholung aus den anderen Teilen) – also die Adoption, die ganze Geschichte um ihre Mutter, die psychopathische Tante, der Amoklauf, der Polizist ist plötzlich ihr Bruder, als „Sklavin“ bei einem Zuhälter und die spätere Entführung durch ihn, wobei sie seine Schläger übern Haufen fährt, dann aber den Zuhälter aus dem (fast schon) brennenden Auto rettet, die überstürzte Verlobung mit einem Mann, den sie nicht liebt, der Aufstieg vom Niemand zum landesweit verehrten Popsternchen – ausgerechnet entdeckt vom erfolgreichsten Musikproduzent des Landes, der Besuch im Hochsicherheitsgefängnis beim Mörder ihrer Mutter (und sie bringt ihn zum Reden, obwohl das vorher weder FBI noch Psychologen geschafft haben) … ich könnte noch ewig weiter aufzählen – das ist mir ehrlich gesagt einfach „too much“. Ein paar dieser Handlungsstränge hätten es auch getan. Die geballte Ladung davon – die alle einer noch nicht mal 22jährigen Protagonisten geschehen sein sollen - hat der Geschichte allerdings in meinen Augen die Glaubwürdigkeit genommen. Wie gesagt – bestimmt gibt es viele, die das toll finden. Aber ich mag eher Bücher, in denen sich die Charaktere der Hauptpersonen entwickeln, nicht abstruse Handlungsstränge...
Als kleines Beispiel für solche Unglaubwürdigkeiten in der Story: Sheridan kommt endlich nach Hause, sehnt sich nach ihrer alten Affäre Horatio und erfährt, dass er einen Tag vorher abgereist ist – mit Frau und Kind. Sheridan reitet zu ihrem alten Treffpunkt und: findet ihren Namen in den Schnee geschrieben (!!!). Das alleine ist ja schon absurd. Aber ihre Reaktion darauf ist noch komischer: sie beschließt ab diesem Moment, Horatio (nach dem sie sich bis dahin jahrelang gesehnt hat) zu vergessen und die Geschichte ad acta zu legen. Fertig. Sorry, aber das haut doch vorne und hinten nicht hin. Sie findet den Beweis, dass auch er noch an sie denkt (egal, wie realistisch das ist) – und beschließt, ihn jetzt erst recht endgültig zu vergessen??? Einfach so? An der Stelle bin ich ausgestiegen.

Die Liebesgeschichte zwischen Jordan und Sheridan hat süß begonnen – die Schilderung der ersten Begegnung fand ich gut. Und vermutlich war der Verlauf auch realistisch geschildert – viele Menschen stehen vor der Entscheidung zwischen Karriere oder gemeinsamen Leben. Ich hätte mir an der Stelle gewünscht, dass Sheridan erkennt, dass Liebe wichtiger ist als Karriere und dass sie ihre Musik ja nicht aufgeben muss, wenn sie sich für das Leben mit Jordan entscheidet. Da steckte für mich ein Widerspruch – sie wird im letzten Teil des Buches von ihrem Förderer Marcus und von anderen immer als reife junge Frau beschrieben, die einen unglaublichen Charakter hat. Tatsächlich zeigt sich das an vielen Stellen (wie sie z. B. um ihre Mitarbeiter besorgt ist). Aber an dieser Stelle m. E. nicht. Denn ich bin der Meinung, eine reife – und nach allen Wirrungen – zu ihr passende Entscheidung wäre gewesen, sich für ein Leben an Jordans Seite zu entscheiden, ohne die Musik aufzugeben. Es gibt ja nicht nur „schwarz“ und „weiß“. Wenn sie aufgehört hätte, das in der Öffentlichkeit stehende Popsternchen zu sein, hätte sie immer noch Konzerte geben können. Aber so würde sie wohl in ein paar Jahren feststellen, dass sie zwar auf der Bühne glücklich ist, wenn sie singen kann, aber ansonsten ihr Leben leer ist.

Was ich aber auf jeden Fall mitnehmen werden, ist das, was ich über Synästhesie – Sheridans Fähigkeit, Geräusche und Stimmen farbig zu sehen – gelernt habe. Das hat mich sehr fasziniert und dazu werde ich sicher noch einiges recherchieren.

Alles in allem war es Urlaubslektüre für einen Tag – ganz nett, aber ohne wirklichen Tiefgang oder einen Nachklang in mein Leben. Und definitiv kein Buch, das ich nochmal lesen oder weiterempfehlen werde.