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Himbeerwunder

Leider ganz anders, als gedacht...

Schon seit Ewigkeiten spukt dieser Gedanke in meinem Kopf herum: In einem alten VW-Bulli durch Europa reisen. Dort anhalten, wo es einem gefällt und einfach nur den Moment genießen.
Deshalb war ich auch so begeistert, als ich die Inhaltsangabe des Romans las und bewarb mich sehr gern für den Buchtest. Und dann sollte es in diesem nicht um irgendeine Gegend, sondern um Cornwall gehen...auch davon träume ich schon seit ich vor etlichen Jahren einen Reisebericht in einer der Frauenzeitschriften meiner Mutter entdeckte.
Einige Wochen vergingen und ich wurde tatsächlich für den Buchtest ausgewählt. Die Freude war riesengroß, als das Buch endlich ankam. Und auch der erste Eindruck war mehr als positiv: Im Umschlag steckten neben dem Buch mit dem fröhlichen, bunt gestreiften Cover, ein paar schöne Fotos, die die Autorin, sowie ein paar Eindrücke von Cornwall zeigten. All das machte einem richtig Lust auf das Buch und vermittelte einem, dass es sich um eine, ebenso fröhliche, leichte und positive Story handeln wird.
So nahm ich mir das Buch direkt an dem ersten Abend zur Hand und begann zu lesen...
Und bereits nach dem ersten Kapitel legte ich das Buch dann auch erstmal wieder weg. Hatte ich Leichtigkeit und Unbeschwertheit erwartet, so bekam ich direkt auf den ersten Seiten das krasse Gegenteil davon zu lesen: der vermeintliche Tod der alkoholkranken Mutter, verstörend und schockierend zu gleich. Ich muss gestehen, dass ich die nächsten Tage erst einmal keine Lust mehr hatte, das Buch weiterzulesen. Aber dann sagte ich mir, dass sicher nur der Anfang der Geschichte so dramatisch war und es sicherlich danach besser werden würde. Erst schien es auch wirklich so, aber auch in den nächsten Kapiteln kam meine erwartete Leichtigkeit, die Reiselust, das positive Gefühl einfach nicht auf. Schuld daran waren die vielen eingestreuten Erinnerungen, die einen dauernd mit einem negativen Gefühl zurückließen. Schien die Geschichte endlich an Fahrt aufzunehmen, wurde sie jedes Mal von meist äußerst unangenehmen Rückblicken unterbrochen. Detailreich wird zum Beispiel beschrieben, wie die dauerhaft alkoholisierte Mutter ständig Sex mit irgendwelchen schmierigen Männern in dem kleinen beengten Wohnmobil, in welchem Mutter und Tochter zusammenlebten, hat und das Mädchen des Öfteren Zeuge davon wird. Generell vermittelt einem das Buch eine eher bedrückende Stimmung und nicht das leichte, freie und positive Gefühl, dass man erwartet. Für meinen Geschmack viel zu viel Dramatik und Negativität in einer Geschichte, die unheimlich viel Potenzial gehabt hätte, denn was kann es spannenderes geben als einen Neuanfang in einem alten VW-Bulli an der schroffen Südwestküste Englands. Ich hätte gern nach dem Lesen ein positives und leichtes Gefühl in meinem Herzen gehabt, als den üblen Geruch aus Alkohol, Schweiß, Sex und Erbrochenem in der Nase, von welchem mehrfach so detailgetreu erzählt wurde.